Pfarrkirche St. Ulrich und St. Konrad in Fulgenstadt

Eine Kirche im spätklassizistischem Stil, die an Stelle einer sehr viel älteren Kirche errichtet wurde

Die Kirche in Fulgenstadt wird 1090 erstmals urkundlich erwähnt. 1844 wird die baufällige Pfarrkirche geschlossen, 1852 die im spätklassizistischen Stil errichtete jetzige Kirche eingeweiht.

Der Innenraum der Kirche wurde erst 2014 grundlegend renoviert und dabei auch stilistisch modernisiert. Die großzügigen farbigen Bemalungen der nordöstlichen Wände im Chorraum und im Kirchenschiff sowie an den Decken setzen einen starken Kontrast zu den barocken Figuren, strukturieren jedoch auch das Gesamterscheinungsbild der Kirche auf harmonische Weise.

Tobias Kammerer, Rottweil, erhielt den Auftrag, die Raumschale farblich zu fassen. Er schreibt über seinen gestalterischen Ansatz: „Ein wichtiges Anliegen des Künstlers ist es, die Kirche mit seiner Malerei in einen Raum der Jetztzeit zu verwandeln: Es ist mir wichtig, dass zeitgenössische Auffassung und Raumbezogenheit überzeugend zum Ausdruck kommen. Die neue malerische Fassung verbindet Raum, Skulptur, Mobiliar und schafft so eine Klammer, die alte und neue Gestaltung harmonisch verbindet.“ Und zur Kirche Fulgenstadt schreibt der Künstler: „Die Farbzuordnungen folgen meiner Auffassung von christlicher Symbolik.“

Deckenspiegel: „Ein Kranz aus goldenen amorphen Flächen und Formen umhüllt das Bild der Maria als Schutzmantelmadonna. Die Formen erscheinen aquarellhaft und leicht. Feine Linien zeichnen das Deckenmedaillon nach.“

Chorraum: „Ein strahlendes Goldgelb erfüllt die Wand des Chorraums. Sie versinnbildlicht das himmlische Empyreum, den göttlichen Feuerhimmel. Die Liebe und Barmherzigkeit Gottes finden darin ihren Ausdruck. Das Goldgelb vermittelt ein Gefühl von Wärme und Wonne, es repäsentiert den milden Abglanz der untergehenden Sonne: Das lichtnahe leuchtende Gelb gilt als Farbe der Erkenntnis. Seine Leuchtkraft erscheint uns angenehm warm und freudig. Als verbindendes Element zwischen Himmel und Erde begegnet uns das Licht, im übertragenen Sinn also Christus, als Licht der Welt. Die Figuren sind in das Gesamtbild integriert. Das feurige Gelb lässt schon an Pfingsten denken. Ein blauer vertikaler Streifen verläuft hinter dem Kruzifix. Es scheint, er würde den Gekreuzigten empor tragen. So wird aus dem Gekreuzigten der Auferstandene. Optisch verbindet das blaue Band Chorwand und -decke.“

Stirnseiten des Schiffs: Die Figuren auf den Wandflächen neben dem Chorbogen werden durch den Hintergrund in die Gesamtkomposition mit eingebunden. Durch die Malerei erhalten sie einen angestammten Platz im Kirchenraum. Fast wirken die farbigen Flächen hinter den Figuren wie kostbare Tapisserie. Die blaue Fläche hinter Sebastian bezieht sich in ihrer Aussage auch auf die Taufe. Das geistige Blau versinnbildlicht zum einen die himmlische Weisheit, zum anderen deutet es auf das Wasser als Ursprung des Lebens und die geistige Erneuerung durch das Wasser der Taufe hin. Der Purpur hinter der Figur der Maria deutet als Lichtfarbe auf die Ewigkeit. Der echte Purpur kann nur durch Sonnenlicht entstehen. Er ist absolut lichtecht, was ihn zum Sinnbild des Ewigen werden ließ. Purpur war auch der Vorhang im Tempel, der zur Todesstunde Jesu zerriss. Der Legende nach wurde er von Maria selbst gewoben.“

Schiff: Feine Linien zeichnen die Architekturelemente nach. Der Kreuzweg soll auf einer Silberfläche angeordnet werden. Das Silber reflektiert sanft das Licht im Raum. Silber als Symbol der Läuterung und Erneuerung deutet auf die Ankunft des Messias hin.“

Die Bildhauerarbeiten von Hubert Kaltenmark

Der Künstler, ebenfalls ein angesehener Meister seines Fachs, erklärt selbst: „Der Altar für die im nachklassizistischen Stil erbaute Pfarrkirche ist neuer Mittelpunkt des Kirchenraumes, alle vorhandenen Äußerungen der christlichen Kunst zusammenführend und sie zur eigentlichen geistigen Wirkung bündelnd.“

Der Entwurf geht aus vom Ährenfeld, der Ähre als Rohstoff für Nahrung und Symbol für den Leib Christi, wie auch dem Feld oder Acker als Zeichen für Arbeit, Zusammenwirken und Gemeinschaft. Ebenso sollen die Arbeiten die geistige Durchdringung des Alltäglichen widerspiegeln.

Der Altar: ein Block aus gesägtem, hellem Granit. Unterhalb der Mensa ist er in gleichmäßige, durchgehende Schnitte rhythmisiert, die von einer umlaufenden Abfolge von unregelmäßigen Rillen begleitet wird. Der künstlerische Eingriff in den Stein beschreibt die Durchdringung der Materie durch den Geist. Die Kanneluren an der Oberfläche des Steins erinnern an Furchen. Beim Umgehen des Blockes entstehen immer neue Ansichten: Von hoher Lichtdurchlässigkeit bis vollkommener Geschlossenheit durch Bündelung und Verdichtung.

Das Sepulcrum (Reliquiengrab) wird unmittelbar vor dem Altar in den Boden eingelassen.

Der Ambo aus Granit greift die Zeichensprache des Altars wieder auf.

Der Tabernakel ist auf eine Stele aus Granit mit umlaufenden Rillen aufgesetzt. Sein Gehäuse ist goldfarben. Darüber erhält er eine Hülle aus grau patinierter Bronze. Die Hülle besteht aus Ähren, die in der Gemeinde Fulgenstadt gesammelt wurden. Sie werden abgeformt, aus der Form ausgebrannt und in Bronze gegossen. So entstand eine filigrane Struktur, durch deren Zwischenräume der goldfarbene Grund des Gehäuses schimmert. Eine Ablage aus grau patinierter Bronze ist in die Stele eingearbeitet.

Die Patronatsheiligen Ulrich & Konrad – edle Herren in Fulgenstadt.

Bruno Effinger schreibt: „Die Fulgenstadter Pfarrkirche St. Ulrich & Konrad zeigt zwei Plastiken ihrer Patronatsheiligen. Woher kommen diese, wer hat sie wohl gestiftet? – Schon früh hatte das Benediktinerkloster Weingarten in Fulgenstadt Besitz und konnte 1358 die Kirche sich einverleiben(inkorporieren) und die Pfründe an sich nehmen. Der Abt von Weingarten war also Zehentherr und zugleich für die Erbauung und Unterhaltung von Chor und Hochaltar zuständig. So hatte der damalige Abt Ende des 15. Jahrhunderts. ein neues Chor-Retabel (Hochaltar) in Auftrag gegeben. In der Mitte des neuen Altars stand wohl eine Muttergottes mit Jesuskind und links und rechts die bis heute vorhandenen beiden Patrone St. Ulrich und St. Konrad, jetzt stehen sie neben der Tabernakelstele im Chor. Die Qualität der beiden Plastiken spricht dafür, dass sie aus dem Umkreis eines bedeutenden Bildhauers vor und um 1500 herstammen. Der Ulmer Bildhauer Michael Erhart (1469 – 1522 nachgewiesen in Ulm) hatte 1493 den Auftrag vom Weingartner Abt für einen großen Flügelaltar erhalten. Von diesem sind leider nur noch die gemalten Tafeln von Hans Holbein d.Ä. im Augsburger Dom vorhanden. Diesem Altar und Auftrag stehen die Plastiken Ulrich & Konrad sehr nahe. Aus dem Leben des Michael Erhart gibt es nicht viel zu berichten: um 1445 in Ulm geboren. Sein Todesjahr 1522 liegt – gnädigerweise – noch vor dem Bildersturm, der den größten Teil seines Lebenswerkes verwüstete. (Übrigens: Von der sitzenden Madonna in Heratskirch wird angenommen, dass diese auch aus der Werkstatt Erharts stammt – wohl um 1490/95.)“

„Die Fulgenstadter Patronatsheiligen sind im feierlichen Ornat mit Mitren wiedergegeben. In der linken Hand halten je mit gotisch geformter Krümme einen Bischofstab. Die Art, wie das Faltengeschiebe der beiden Figuren, der Hl. Ulrich im roten, gold verbrämten Chormantel (Pluviale) und der Hl. Konrad im  grünen Messgewand (Kasel) ausgebildet ist, verweist auf die Schule eines bekannten Meisters, eben auf die Werkstatt des Michael Erhard aus Ulm.“

Wahrhaftig, die Pfarrkirche Fulgenstadt besitzt die schönsten gotischen Plastiken (mit den Madonnen Heratskirch und Moosheim) in der Stadt Bad Saulgau.

Die anderen Plastiken der Fulgenstadter Pfarrkirche:

Linke Sakristeitür: Immakulata, 1750.
Rechte Sakristeitür: Hl. Josef, 19. Jahrhundert.
Chorwand: Kreuzigungsgruppe mit den Assistenzfiguren Maria, Johannes und Magdalena, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Altarwerkstätte Mayer, Saulgau.
Stelen beim Tabernakel: Hl. Ulrich und Hl. Konrad (s.o.).
Rechts neben dem Chorbogen: Madonna mit Kind, nach 1500.
Links neben dem Chorbogen: Hl. Sebastian, Mitte 18. Jahrhundert.
Gegenüber der Kanzel: Kruzifix, spätes 12. Jahrhundert.
Kanzel: Hl. Geist im Schalldeckel, 4 große Kirchenlehrer (Ambrosius von Mailand, Augustinus, Hieronymus, Papst Gregor I.), Altarwerkstätte Mayer Saulgau, 2. Hälfte 19. Jahrhundert.
Zwei barocke Ölgemälde, über den Seiteneingängen (Anna selbdritt, Madonna mit Kind und Ordensheiligen), Maler unbekannt.
Auf der Orgelempore: Hl. Ulrich, Hl. Sebastian, 19. Jahrhundert.
In den Nischen/links: Pietà, Anfang 16. Jahrhundert, gotisch.
In den Nischen/rechts: Hl. Rochus und Hl. Wendelin (zwei Herren mit Hut), frühes 16. Jahrhundert.
Neben dem Eingang/links: Hl. Antonius der Einsiedler, spätes 18. Jahrhundert, (Saudone).
Neben dem Eingang/rechts: Hl. Antonius von Padua, Ende 19. Jahrhundert, (Schlamperdone).
Im Vorzeichen: Luibertuskreuz (links).
im Chorraum rechts: Ewiglichtampel, Empirestil, spätes 18. Jahrhundert.
im Chorraum: Fenster, Hl. Petrus und Hl. Paulus, Fuchs, Saulgau 1939.
Deckengemälde: Schutzmantelmadonna mit Ortsansicht von Fulgenstadt, Maler Paul Hirt aus Villingen, 1939 Kreuzweg, mit Silberband v. Kammerer hinterlegt, 2. Hälfte 19. Jahrhundert, Gorheim.
Orgel: Späth Ennetach 1908, restauriert von Eduard Wiedenmann, Oberessendorf
(Hugo Birkhofer)

Das Geläut der Kirche umfasst vier Glocken von 1962: „Regina Pacis“, „St. Gertrudis“, „St. Josef“, „St. Uldaricus et Willibalde“ (Namen nach den Stiftern).

Quellen: Kirchen, Kapellen, Heilige in und um Bad Saulgau-Kirchenführer der Seelsorgeeinheit Bad Saulgau, 2008 – dort weitere Quellangaben; Aufzeichnungen von Pfarrer Linz, ehem. Fulgenstadt; Texte von Bruno Effinger, Hubert Kaltenmark und Tobias Kammerer.

Madonna mit Kind von einem unbekannten Künstler (nach 1500)

Maria,
meine liebste Mutter,
gib mir dein Herz,
so schön, so rein, so unbefleckt,
so voll von Liebe und Demut,
damit ich wie du Jesus empfange,
und damit ich eile
ihn andern zu bringen.

Hl. Mutter Teresa