Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Friedberg

Eine schön gelegene Barockkirche, die im 19. Jahrhundert neugotisch umgestaltet worden war, aber in den 1920er-Jahren wieder neu barockisiert wurde. 

Erbaut wurde die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in den Jahren 1730-33 nach Plänen des Johann Caspar Bagnato (1696-1757), Deutschordensbaumeister in Altshausen. Der Auftrag zum Bau der Kirche erfolgte damals durch die Grafschaft Friedberg-Scheer. Außen stilrein erhalten, wurde die Kirche 1863 neugotisch umgestaltet und renoviert, dann 1919-24 mit Kanzel und Empore neobarockisiert. 1998/99 wurde eine grundlegende Außenrenovation der Kirche vorgenommen.

Die Altäre sind aus dem 18. Jahrhundert. Das Hochaltarbild „Kreuzabnahme“ stammt aus dem späten 18. Jahrhundert, ebenso die Figuren des Petrus (mit Schlüssel) und Paulus (mit Schwert). Im Altarauszug wird Gottvater mit anbetenden Engeln und Heiligem Geist dargestellt. Das Sakramentshaus ist neobarock. Auf dem Sakramentshaus befindet sich die Pieta, 18. Jahrhundert.

Das Deckenbild im Chor zeigt die Verehrung der Heiligsten Dreifaltigkeit mit Maria und Heiligen: König David mit der Harfe, Moses mit den Gesetzestafeln, Johannes der Täufer, der Hl. Josef, Erzengel Michael, Engel mit Zeichnung der Fassade des Petersdomes in Rom, anbetende Engel. Ein kleines Bild zeigt die Friedberger Kirche mit Wallfahrtsprozession (Friedberger Fest). Die vorderen Deckenzwickel stellen die vier Evangelisten Matthäus (mit Engel), Markus (mit Löwe), Lukas (mit Stier), Johannes (mit Adler) dar; die hinteren beiden beim Chorbogen die vier abendländischen Kirchenväter Hieronymus (mit Löwe), Augustinus (mit Herz und Kind), Gregor (mit Hl. Geist, nach ihm ist der „gregorianische Choral“ benannt) und Ambrosius (mit Bienenkorb, Symbol der Weisheit Gottes).

In der Wandnische links steht die „Friedberger Madonna“, vor 1730, die leidende Maria mit dem Schwert im Herzen: „Auch deine Seele wird ein Schwert durchdringen“ (Simeon zu Maria bei der Darstellung Jesu im Tempel, Lk 2,35). Die Plastik ist bekleidet mit einem Samtgewand, schwarz, mit kostbaren Stickereien. Aufschrift: Mater dolorosa, ora pro nobis – Mutter der Schmerzen, bitte für uns. In der Hand hält sie den „Siebenschmerzenrosenkranz“ (siehe unten) – eine Sonderform des Rosenkranzes, der anstatt mit den üblichen fünf mit sieben „Gesetzchen“ und je 7 Ave Maria – statt zehn gebetet wird. Zwischen den Anrufungen des „Ave Maria“ werden die sieben Schmerzen Mariä genannt.

Im Chorbogen hängt ein Kreuz, das  flankiert wird von zwei Assistenzfiguren an den Säulen des Chorbogens (alle Mitte des 18. Jahrhunderts). Im Kirchenschiff stellt das Deckengemälde die Himmelfahrt Mariens dar, signiert von F. Hartmann, München, 1919. Die seitlichen Deckenbilder zeigen die sieben Schmerzen Mariä; an den Wänden die Kreuzwegstationen. Das Schiffsgestühl hat die originalen barocken Akanthuswangen von 1712.

Seitenaltäre: Links der Marienaltar. Das Altarbild zeigt die Verehrung der Maria mit Kind durch die Hl. Barbara (mit Schwert) und Agnes (mit Lilie und Messer), im Hintergrund die Hl. Anna, Engel und Heilige. Im Altarauszug die Hl. Maria Magdalena als Büßerin. Die Plastiken stellen die Hl. Katharina (mit Rad) sowie die Hl. Margarete (mit dem Wurm) dar, beide von 1723, sonst alle Seitenaltarfiguren 1919-23). Rechts der Josefsaltar mit einem Bild des Hl. Josefs mit den Heiligen Aloysius und Isidor, hinter diesem ein Engel mit einer Garbe: Er erledigte die Feldarbeit, solange Isidor betete. Im Altarauszug: Martyrium des Hl. Veit (Veitstanz). Die Plastiken zeigen den Hl. Antonius von Padua und den Hl. Franz Xaver (mit Heidenkind).

Im Kirchenschiff links dominiert die Kanzel von Stirmlinger aus Reichenbach im Gaißentäle. An der Kanzelrückwand sieht man Jesus als den guten Hirten, auf dem Kanzeldeckel Johannes den Täufer im härenen Bußgewand.

Im Kirchenschiff rechts findet sich eine Figur des Hl. Wendelin, vor 1800, ein Vortragskreuz aus dem 18. Jahrhundert und ein neobarockes Gemälde mit dem Motiv der Kreuzabnahme.

Auf der Empore rechts ist Johannes Evangelist dargestellt, links ein  jugendlicher Märtyrer mit der Siegespalme, an der Emporenbrüstung die Verkündigung der Geburt Jesu, die Anbetung der Hirten und die Anbetung der Könige.

Das Deckengemälde bei der Orgel zeigt die Hl. Cäcilia. Unter der Empore: Die Knaben Jesus und Johannes mit ihren Familien begegnen einander im Tempel. Maria und Josef, Elisabeth und Zacharias, Geldwechsler und Händler, Krüppel, Lahme und Bettler, Hohepriester: Hinweise auf Gestalten und Ereignisse, die im Evangelium vorkommen.

An der Südwand außen befindet sich das Grabmal von Pfarrer und Dechant Joh. Conrad Fürst (1689-1744), in seiner Amtszeit wurde die Kirche neu gebaut. Der Weg am Friedhof vorbei führt zur Mariengrotte „Am Chorrain“. Am Eingang zum Kirchplatz steht ein Bildstock mit Pieta, wohl Anfang 16. Jahrhundert (zur Zeit aus Sicherheitsgründen verwahrt).

Das „Friedberger Fest“ findet am 3. Sonntag im September zum Fest der „Sieben Schmerzen Mariä“, statt: Mit festlich-barockem Gepränge wird in einer Prozession die „Friedberger Schmerzensmadonna“ zum „Buschl“ getragen, einer nahe gelegenen Anhöhe. Dazu gehören festliches Glockengeläut, die Klänge der Friedberger Musikkapelle, das Allerheiligste in der Monstranz unter dem Traghimmel, Kreuz und Fahnen, Lieder und Gebete der Wallfahrer. Nach einer Andacht kehrt die Prozession zur Pfarrkiche zurück.

Der Friedberger „Siebenschmerzenrosenkranz“ ist eine Sonderform des „Rosenkanzes“, er gehört zur Friedberger Siebenschmerzenbruderschaft. Diese wurde 1753 errichtet und besteht bis heute. Sie ist der persönlichen Spiritualität gewidmet und der Fürsorge für andere. Die Geheimnisse des Rosenkranzes lauten:

1. Den du o Jungfrau hast sehen beschneiden;
2. mit dem du o Jungfrau bist nach Aegypten geflohen;
3. den 
du o Jungfrau hast verloren gehabt;
4. den du o Jungfrau hast sehen das Kreuz naustragen;
5. den du o Jungfrau 
hast sehen kreuzigen;
6. der dir o 
Jungfrau vom Kreuz in den Schoß ist gelegt worden;
7. den du o Jungfrau 
hast sehen begraben.
Durch alle deine 
Schmerzen, o schmerzhafte Mutter, verlass uns niemals, insbesondere in der letzten Stunde

Pietà des Bildstocks vom Kirchplatzeingang (wohl Anfang 16. Jahrhundert, zur Zeit aus Sicherheitsgründen verwahrt, Foto: Ingo Rock/Andreas Gruber)