Antoniuskirche in Bad Saulgau

In dieser Jugendkirche eröffnet sich den Besuchern eine ungeahnte Farbigkeit

Die Buchauer Äbtissin (Patronatsherrin) stiftete während des Dreißigjährigen Krieges 1646 in der oberen Saulgauer Vorstadt ein Franziskanerkloster, 1664 wurde die neue „Franziskanerkirche“ geweiht, 1696 das anschließende Klostergebäude. Die erste Ausstattung dürfte sich auf das Notwendigste beschränkt haben, erst Ende des 17. Jahrhunderts konnten die Mönche dank vieler Wohltäter ihre Kirche verschönern. Aus dieser Zeit stammen die Kapitele im Langhaus, die mit Wandmalereien weitergeführt worden waren. 1738 erhielt die Kirche die Empore zur Abhaltung des Chorgebetes und die Kleeblattfenster.

Von 1756 an wurde die Kirche erneuert: 1756 Rokokostukkaturen im Chor von Anton Rebsamen, Kunstmaler und späterer Bürgermeister in Saulgau, nach 1758 das Antonius-Gemälde an der Chordecke mit dem „Eselswunder“ des Heiligen, nach 1780 klassizistische Altarmalereien von einem unbekannten Maler, die Altarbilder sind abgegangen. 1799 wurde der Kirchenraum nach der Schlacht bei Ostrach am 21. 3. 1799 als Militärhospital benutzt.

1810 hob die württembergische Regierung (Saulgau gehörte seit 1806 zu Württemberg) das Franziskanerkloster und die Kirche gegen den Willen der Bevölkerung auf, die Mönche wurden in andere Klöster oder Pfarreien verlegt. Orgel, Altäre, Kirchenstühle, Bilder, sonst noch vorhandene Gegenstände wurden entfernt und vom württembergischen Staat verkauft, wohin, ist nicht mehr festzustellen. 1813 gingen Kirche und Klostergebäude in das Eigentum der Stadt über. Der untere Teil der Kirche wurde ein Gerstenhaus, der obere zum Theater umgebaut, das 1886 aus feuerpolizeilichen Gründen geschlossen wurde.

1859 warf ein Sturm den Dachreiter auf dem Übergang Chorschiff herab, der heutige neugotische „Spitalturm“ ersetzte den Dachreiter 1864. Nach langen Bemühungen der Kirchengemeinde und nach dem Bau des neuen Raiffeisen-Lagerhauses an der Bahnlinie, in dem nun das Getreide gelagert wurde, überließ der Gemeinderat der Stadt Saulgau 1920 die Kirche der Pfarrgemeinde zur Revitalisierung. Ein lang gehegter Wunsch der Pfarrei ging damit in Erfüllung.

Blick auf Empore und Orgel der Firma Varadi & Sohn, Budapest, aus dem Jahr 2000

Die Kirche wurde in den Folgejahren neu ausgestattet: Stukkateur Josef Bahnmüller, Saulgau, fertigte 1921 zu den vorhandenen Kapitelen im Schiff den heutigen Deckenstuck, dazu kam eine neue Ausstattung – vorhanden waren nur noch die drei Altarwandmalereien. Bildhauer Franz Müller, Saulgau, stiftete klassizistische Altarleuchter, Altarkreuz, Ewiglichtampel. Die Altäre, Kanzel, Kommunionbank wurden von Saulgauer Werkstätten neu gefertigt, Gebhart Fugel (geb. 1869 in Oberklöcken-Taldorf bei Ravensburg, 1939 gest. in München) malte das Hochaltarbild, die Seitenaltarbilder waren Kopien aus dessen Werkstatt. Einbau einer Orgel 1947.

1962 erfolgte eine Restaurierung, bei der ein Teil der Ausstattung von 1921 entfernt wurde und neue Sarkophag-Altartische (Haupt- und 2 Seitenaltäre) aufgestellt wurden. Bei der Renovierung 1995/96 wurden die Bausubstanz und technische Einrichtungen der Kirche saniert und erneuert.

Heutige Ausstattung: Hochaltar mit Kreuzigungsbild von Gebhart Fugel 1921: unterm Kreuz Maria, Johannes, Antonius, Gute Beth von Reute, Elisabeth. Die Altarausstattung, bestehend aus klassizistischem Leuchter, Kreuz, Ewiglichtampel (gefertigt ca.1790), wurde von Franz Müller, Altarbildhauer gestiftet, Tabernakelverkleidung neu. Seitenaltäre: In die vorhandenen Altar-Wandmalereien malte Emil Kiess (geb. 1930) anlässlich der letzten Renovierung 1996 Farbbilder, korrespondierend mit der Deckenbemalung und der Bemalung der Emporenbrüstung. In den Nischen: links Plastiken Hl. Josef, 18. Jhdt., Gute Beth, Anfang 20. Jhdt., rechts Maria 19. Jhdt (aus dem ehemaligen „Klösterle”). An der rechten Wand: Kreuz aus dem frühen 18. Jahrhundert. Rechts vor dem Seitenaltar: Immaculata (unbefleckt empfangene Gottesmutter) auf Stele, spätes 19./Anfang 20. Jahrhundert, links vor dem Seitenaltar : Hl. Antonius, 19. Jahrhundert, Stiftung Familie Doerr. Zelebrationsaltar mit Leuchtern, Sedilien, Ambo, Osterleuchter von Immanuel Preuss (geb. 1956), Stuttgart 1996. Prozessionskreuz Wolfgang Knor (geb. 1942), Kreuzweg von 1921 im Chorraum von Gebhart Fugel. Orgel von Varadi & Sohn, Budapest; erbaut im Jahre 2000 zum achtzigjährigen Firmenjubliäum. Sie wurde aus Privatbesitz erworben und 2009 aufgestellt, gestiftet von Kirchengemeindemitgliedern, Vereinen, Unternehmen. 17 Register, 2 Manuale und Pedal, mechanische Traktur.

Glocken: eine Glocke aus der Franziskanerzeit um 1700, zweite Glocke um 1950.

Die Antoniuskirche dient mit ihrer beweglichen Bestuhlung sowohl den regelmäßigen Gemeindegottesdiensten wie auch der Spendung der Krankensalbung, sie ist Jugendkirche.

Darstellung des heiligen Antonius, 19. Jahrhundert

Immaculata, spätes 19./ Anfang 20. Jahrhundert